18.05.2026

Indigene Gemeinschaften stellen sich gegen die Abholzung und weisen auf die Widersprüche in Sarawaks „Beyond Timber“-Vision hin

Oberer Baram, Sarawak — Die Penan und Kenyah Gemeinschaften am Selungo-Fluss und in dessen Umgebung im oberen Baram in Sarawak, Malaysia, haben eine gemeinsame Erklärung abgegeben, in der sie sich gegen jegliche Abholzung auf ihrem angestammten Land aussprechen. „Wir fordern die Regierung von Sarawak auf, unverzüglich eine Null-Abholzungspolitik zu verabschieden“, betont Roland Engan, Anwalt für die Rechte indigener Völker.

**übersetzte Version**

In einem Schreiben an den Ministerpräsidenten von Sarawak, das Forstamt von Sarawak (FDS) und Borneoland Timber Resources Sdn. Bhd. („Borneoland“) haben sieben Gemeinschaften (Long Moh, Long Semiyang, Lio Mato, Long Siut / Long Tungan, Long Sepigen, Long Kerong, Long Sait) im Oberen Baram alle Aktivitäten abgelehnt, die auf ihrem Land mit angestammten Gewohnheitsrechten (NCR) ohne ihre Zustimmung durchgeführt werden. Den Gemeinschaften zufolge haben sie keine Antwort auf ihren formellen Brief erhalten, in dem sie diese Bedenken und Einwände darlegten und der Ende März zugestellt wurde.

Die Holzeinschlagaktivitäten von Borneoland im Oberen Baram begannen Ende 2023 und werden trotz rechtlicher Schritte, Menschenrechtsbedenken, grossflächiger Umweltzerstörung und Protesten der betroffenen Gemeinschaften fortgesetzt. Obwohl für alle Holzkonzessionen in Sarawak im Rahmen des Malaysian Timber Certification Scheme eine Waldzertifizierung vorgeschrieben ist, arbeitet Borneoland weiterhin ohne eine solche Zertifizierung.

Die Gemeinden berichten zudem, dass Vermessungen offenbar ohne freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) durchgeführt wurden, was das Misstrauen gegenüber dem Unternehmen und den zuständigen Behörden weiter vertieft. Sie erklären unmissverständlich, dass sie solchen Aktivitäten nicht zustimmen. Darüber hinaus weigern sie sich, Verhandlungen mit Borneoland und FDS auf ihrem Gebiet zu führen, und signalisieren damit, dass diese Parteien dort nicht willkommen sind.

Der von Vertretern der Gemeinden unterzeichnete Protestbrief äussert zudem Bedenken hinsichtlich spaltender Praktiken. Dazu gehören die angeblichen Treffen und Verhandlungen ausschliesslich mit ausgewählten oder von aussen eingesetzten Gemeindevorstehern, ohne die Mehrheit der Gemeinde um ihre Zustimmung zu bitten. „Die Penan und Kenyah lehnen diesen Ansatz ab. Eine legitime Vertretung muss von gemeinsam anerkannten und gewählten Gemeindevorstehern ausgehen, nicht von der Regierung ernannten Führern, die die Gemeinschaft nicht repräsentieren“, sagt Komeok Joe, Direktor der indigenen Organisation Keruan.

Die Bedenken der Gemeinschaften weisen auf einen krassen Widerspruch zwischen dem anhaltenden Druck durch die Abholzung vor Ort und der kürzlich von der Regierung von Sarawak formulierten Strategie „Beyond Timber“ hin, die Wälder als strategische Ressourcen für Kohlenstoffspeicherung, den Erhalt der Artenvielfalt, Ökosystemleistungen und nachhaltige Lebensgrundlagen darstellt. Während Sarawak einen Übergang zu einer grünen Wirtschaft fördert, ist die Realität, mit der die indigenen Gemeinschaften im Oberen Baram konfrontiert sind, geprägt von anhaltender Landnahme, undurchsichtigen Vermessungen und der Gefahr der Waldzerstörung.

„Die Regierung von Sarawak sollte keine Abholzungsaktivitäten mehr ohne die freie, vorherige und informierte Zustimmung zulassen. Wälder sollten in den Händen ihrer wahren Hüter bleiben. Es sollte keine Abholzung mehr geben, unabhängig davon, ob sie als nachhaltige oder umweltschonende Abholzung bezeichnet wird“, sagt Roland Engan, Anwalt für die Rechte indigener Völker. Er fordert zudem eine sofortige Null-Abholzungs-Politik und erklärt, dass ländliche Gemeinschaften nicht länger auf Holzunternehmen für den Strassenzugang angewiesen sein sollten, da die Regierung nun plant, die Holzabfuhrstrassen auszubauen.

„Solche Praktiken untergraben genau die ökologischen und wirtschaftlichen Werte, die die Regierung angeblich hochhält, und gefährden sowohl die biologische Vielfalt als auch die indigene Bewirtschaftung, die für jede glaubwürdige grüne Entwicklungsagenda unerlässlich sind“, erklärt Celine Lim, Geschäftsführerin von SAVE Rivers.

Mit dieser gemeinsamen Erklärung bekräftigen die Gemeinschaften von Long Moh, Long Semiyang, Lio Mato, Long Siut / Long Tungan, Long Sepigen, Long Kerong und Long Sait hiermit nachdrücklich ihre Ablehnung jeglicher Holzeinschlagaktivitäten von Borneoland in ihrem Gebiet.

Die indigenen Gemeinschaften fordern alle betroffenen Parteien auf, ihre Entscheidungen zu respektieren, die Rechte der indigenen Bevölkerung zu wahren und unverzüglich alle Massnahmen einzustellen, die ihre Autonomie und ihre Landrechte verletzen.

- Pressemitteilung von Keruan, SAVE Rivers, The Borneo Project und Bruno Manser Fonds